Der Kapitän und sein Steuermann

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      Der Kapitän und sein Steuermann




      Der Friedhof befindet sich an einer Klippe. Meine Frau begleitet mich. Doch das letzte Stück bleibt sie zurück.
      Die restlichen Schritte sind die meinen. Ich muss sie alleine vollbringen. Nun stehe ich davor.
      Dein Grab ist unscheinbar. Keine Blumen. Ein schlichter Stein. Keine Poesie ziert den Marmor.
      Dein Name ist in Stein gebettet. Ein Mahnmal seiner Selbst. Dein Name, er ist verwittert.
      So steh ich hier und denk an dich...

      Unsere erste Begegnung ist lange her. Ich war noch ein Knabe, als ich dich kennenlernte, aber bereits der Kapitän meines eigenen Schiffes. Die Levvie.
      Ich war von dir sehr angetan und erfreute mich deiner Anwesenheit.
      Wir verstanden uns prächtig.
      Ich ließ dich bei mir anheuern.


      Mein Schiff war klein, dennoch begegneten wir uns nur selten.
      Du gingst einfachen Tätigkeiten nach, während ich das gesamte Kommando hatte.
      Wir hatten manche Abende miteinander verbracht, wenn es die Zeit uns erlaubte.
      Du geselltest dich zu mir und meinen Kameraden.
      Du hast dich eingebracht.
      Wir haben lange Gespräche geführt.
      Ich hatte stets das Gefühl, dass uns mehr verbindet.
      Dass wir uns besser verstanden als der Rest der Mannschaft.
      So kam es, dass wir uns öfters trafen. Wir wollten mehr gemeinsame Zeit, mehr von dieser Leichtigkeit, welche den Momenten innewohnte.


      Schließlich gab ich dir mehr Verantwortung. Aufgaben in meiner Nähe. Meine Frau beobachtete dies mit Argwohn. Sie mochte dich nicht besonders. Sie war skeptisch gegenüber dir und der Person, welche ich wohl in deiner Anwesenheit abgab. Doch ich hörte nicht auf sie. Was sollte auch schon passieren? Sie war doch nur eifersüchtig, auf dich und was wir Beide uns teilten. Wir trafen uns immer häufiger. Du gabst mir Kraft. Standest mir mit Rat zur Seite, wenn ich am Verzweifeln war. Halfst mir über Trauer hinweg und ließest mich all die Lasten vergessen, die ich bei mir trug. Ich konnte sie bei dir lassen.


      Letztendlich ernannte ich dich zum Steuermann meines Schiffes. Fortan solltest du es auf meine Befehle hin lenken.
      Es im Sturm kontrollieren und vor dem Untergang bewahren.
      Es an Klippen vorbei zum sicheren Hafen geleiten.
      Eine ganze Weile lief alles gut...


      Doch dann fand ich mich eingesperrt wieder. Alleine unter Deck verschlossen. Wie konnte es nur so weit kommen? Wie lange schon? Wie lange war ich blind?
      Wie lange war diese Meuterei geplant? Wann begann dein Groll gegen mich? Was habe ich nur falsch gemacht? Warum willst du mich zerstören?
      Ich hatte dir vertraut. Meine Befehle versiegten und du begannst sie selbst zu geben. Ich sah nur tatenlos zu, während mir das Kommando entglitt.
      Zielgerichtet wolltest du Livvie in den Abgrund leiten. Wolltest mein Schiff zerstören. Ihren Rumpf aufbrechen und uns alle ertränken.

      Nein! Das konnte ich nicht zulassen! So ließ ich es nicht enden!
      Ich erwachte aus meiner Lethargie, Sprang auf,
      warf mich gegen das Gitter und brach hindurch.
      Ich war frei.
      Ich eilte nach oben. Schlug alles beiseite, was mich zu stoppen gedachte.
      Ich bahnte mir den Weg an Deck. Nichts vermochte mich aufzuhalten.
      Ich entriss dir das Steuer.
      Die kalte See.
      Ich warf dich hinein.



      All dies ist nun lange her. Doch nichts davon bleibt vergessen.
      Ein Teil von mir vermisst dich noch immer. Die guten Zeiten, die wir hatten,
      bevor alles aus dem Ruder lief.

      Du bist nicht tot.

      Dein Grab ist leer.

      Du bist allgegenwärtig. Hältst dich im Verborgenen.
      Du könntest jederzeit zurückkehren. Dich erneut mit mir anfreunden.
      Mich meines Schiffes berauben und mich wieder zum Narren machen.
      Doch nur, wenn ich es zulasse. Nur, wenn ich nicht achtsam bleibe.






      Ich stehe vor deinem Grab. Dein Name ist in Stein gebettet.
      Ein Mahnmal seiner Selbst. Dein Name: Alkohol.
    • Boah.
      Harte Kost.
      Vor allem die letzte Zeile.

      Damn, jetzt ballern mir die Gedanken schon wieder schneller durch den Kopf, als ich sie tippen kann.

      Erst mal eins: ich liebe genau diesen Stil.
      Wenn Gedanken in Worte gefasst werden.
      Die "Ich"-Perspektive und das Düstere darin.

      Jemand hat mal behauptet, dass Kreativität am intensivsten sei,
      wenn es dem Erschaffer eigentlich richtig schlecht geht.
      Leider muss ich das bestätigen.
      Trotzdem mag ich diese Stories...
      hells torrent rulez:
      Spoiler anzeigen
      1. Es gibt keine toten Torrents. Nur inaktive oder komatöse. :fine:
      2. Jeder meiner Torrents wird mindestens einen Monat on gehalten.
      3. Ist ein Torrent jünger als einen Monat und inaktiv, bin ich wahrscheinlich arbeiten. Oder penn0rn. Selten beides.
      4. Ist ein Torrent inaktiv und älter als einen Monat → 5.
      5. RESEED – WER NICHT FRAGT KANN´S NICHT BEKOMMEN. [/b]
      Schreibt mir ´ne PN oder stellt ´nen Antrag.
      6. Sollte ein Reseed meinerseits nicht möglich sein, erfahrt ihr es von mir.
      7. „Danke!“ zu sagen ist optional. Allerdings wertet es meine Releases auf und freut mich auch persönlich.
      Außerdem kassiert ihr 5Gil.
    • ha, zuerst dacht ich so das würd so auf einen besten freund hinlaufen der mehr sein wollte
      da wäre das mit der meuterei aber etwas seltsam gewesen

      und dann die letzte zeile

      nice, passt :oh.nice:


      Spoiler anzeigen
      "Bis zum Marianengraben und darunter hinaus."
      Kapitän der MS Niveau, Spezialist für Tiefseetauchfahrten

      Spoiler anzeigen
      To gain the gold which thou desire,

      there is a deed thou shalt aspire,

      ending thine foes by leadful fire.

      - Alchemists





      Bei Reseedanfragen PN me ^^
    • Guten Morgen.

      Freut mich sehr, dass es euch Beiden gefällt.

      An hellalive:
      Es ist meine bevorzugte Art des Schreibens. Schön wenn es genau deinen Geschmack trifft.
      Es stimmt, Kreativität und dessen wirken, hängt stark vom Befinden des Autors ab.
      Das kann ich nur zu gut bestätigen.

      An Dark Crusader:
      Schön das es zu Überraschen wusste. Dies gehört ebenfalls zu meinem Stil.
      Ich liebe es eine Geschichte und die Betrachtung darauf, im letzten moment und manchmal sogar mit nur dem letzten Wort zu verändern.
      Wer sich eine Story von mir gleich zu Anfang kaputt machen möchte, der sollte vor dem eigentlichen Text die Letzte Zeile lesen.


      Grüße!
    • Wirklich eine sehr gelungene und vor allem wahre Geschichte :thumbup:
      Dein Schreibstil hier ist sehr fesselnd und lässt nichts übrig ^^
      Solche Geschichten würde ich gerne öfter lesen, vor allem in diesem Stil :D


      PC Hardware:
      i7 7700k @5,0 GHZ
      Asus Gforce GTX 1080 TI OC Rog Strix
      G-Skill Trident Z RBG DDR4-3200 MHZ RAM
      Asus Maximus IX Formula Motherboard
      Firestrike Benchmark: 22.100 Punkte